Sticken mit der Maschine – Eine Einführung

Du besitzt eine Nähmaschine mit einem Stickmodul – oder eine Stickmaschine – oder du beabsichtigst, dir eine zuzulegen und weißt nicht genau, was du alles benötigst um mit dem Sticken loszulegen? Hier habe ich dir ein paar kleine Tipps zusammengestellt, damit auch deine ersten Stickereien gelingen.

Als Grundausstattung benötigst du auf alle Fälle:

  • Stickgarne
  • Unterfadengarn
  • Vliese
  • Nadeln

Stickgarn

Ja, für schöne Stickergebnisse sollte man zu Stickgarnen greifen. Nähgarne eignen sich nicht so sehr fürs Sticken mit der Maschine, da sie grober/stärker sind, als Stickgarne. Auch sind die Stickereidateien, welche man kaufen kann, gewöhnlich für Stickgarn ausgelegt.

Du bekommst Stickgarne in vielen Ausführungen, eines der gebräuchlichsten ist wohl Rayon/Viskose, das ist ein sehr feines, weiches Garn mit einem natürlichen Glanz. Garne in Rayon/Viskose sind meist etwas teurer.

Als nächstes gibt es die Polyestergarne. Sie sind aus Kunstfasern und nicht so weich wie Garne aus Rayon/Viskose, aber deswegen nicht schlechter. Sie haben gerne einen stärkeren Glanz, als die anderen Stickgarne, sind aber dafür robuster und gut für beanspruchtere Stickereien. Da die Herstellung weniger aufwändig ist, sind die Polyestergarne meist günstiger zu erstehen. Auch gibt es die Polyestergarne in noch knalligeren Farben (z.B. Neon).

Dann gibt es noch Effektgarne, z.B. Metallicgarne welche mit speziellen Nadeln verstickt werden sollten, oder auch Frosted Matt Garne, welche einen Keramikanteil im Garn haben und so eine völlig andere Stickoberfläche zaubern.

Die Garne erhältst du bei verschiedenen Herstellern, als Beispiel seien hier mal die bekanntesten genannt: Madeira, Marathon, Gütermann, FuFu, Brildor, Amann etc.
Welches Garn für dich das richtige ist, lässt sich eigentlich nur ausprobieren. Immer wieder höre ich davon, dass bestimmte Maschinentypen mit dem einen oder anderen Garn nicht zurechtkommen – ich persönlich kann das nicht bestätigen, ich habe zwei Stickmaschinen unterschiedlicher Hersteller und verwende für beide alle meine (verschiedenen) Stickgarne.Jedoch greife ich nie zu „Billiggarn“ – bei solchen Garnen weißt du nie, wie lange diese beispielsweise gelagert wurden…und das kann unschöne Folgen haben. Zu lang gelagerte Garne können brüchig werden und dann reißt ständig der Faden, was sehr frustrierend ist.

Die Maschinen werden in der Herstellung „eingestickt“ – und das passiert immer mit einem bestimmten Typ Garn – je nach Maschinenhersteller. Erkundige dich, mit welchem Garn deine Maschine eingestickt wurde, wenn dir der Griff zu anderen Garnen zu unsicher erscheint, oder kaufe nicht gleich einen ganzen Garnkoffer – der von vielen Garnherstellern angeboten wird, sondern probiere erst einmal einzelne Konen aus.

Wenn du begonnen hast, mit deiner Maschine zu sticken, wird der „Suchtfaktor“ nicht lange auf sich warten lassen und Stickgarn ist ein Material, von dem man recht viel braucht. Um hier ein wenig sparen zu können, empfiehlt es sich, nach größeren Konen zu schauen – keine kleinen Garnrollen. Falls du nicht weißt, wie du große Konen abspulen kannst, weil deine Maschine keinen Konenhalter hat, dann schaue doch mal bei Elfenidee/Blog unter Garnrollenhalter, da bekommst du eine kleine Anleitung, wie so ein Konenhalter mit einfachen Mitteln selber gebaut werden kann.

Unterfadengarn

Beim Sticken benutzt man ein sehr feines, weißes oder schwarzes Garn als Unterfaden. Dieses gibt es sowohl auf großen Konen, als auch fertig aufgespult als „Bobbins“. Beim Kauf von Bobbins ist darauf zu achten, dass die Spulengröße mit der Maschine übereinstimmt – und falls die Maschine über einen Unterfadenwächter verfügt, kann es sein, dass dieser mit den Bobbins nicht, oder nicht richtig funktioniert.

Ich habe 10000 m Konen Unterfaden und spule mir meine Unterfadenspulen selber auf. Das ist günstiger und ich habe immer meine Originalspule für den Unterfaden. Zum Abspulen von großen Konen verwende ich den selbstgebauten Garnrollenhalter.

Vliese

Das richtige Vlies ist wohl die größte Wissenschaft beim Maschinensticken. Ja, du brauchst das Vlies, denn es ist der Stabilisator für deine Stickerei. Es gibt nahezu unzählige Vliese… Ausreißvliese, Schneidevliese, wasserlösliche, selbstklebende, Auflegevliese, weiche, starre…und noch einige mehr.

Es hängt immer mit davon ab, was für einen Stoff du besticken möchtest. Webware, oder Wirkware (Jersey)? Einen stabilen Stoff, oder eher einen feinen? Gewebte Stoffe sind für das Besticken etwas unkomplizierter, weil sie besser in den Rahmen einzuspannen sind. Jersey und andere dehnbare Stoffe sind ein wenig trickreicher zu behandeln, weil sich die Stickerei verziehen kann.

Für den Anfang ist es deshalb ratsam, sich ein paar Stücke verschiedener Vliese zu besorgen, damit man ein bisschen testen kann. Auflegevliese (im allgemeinen Sprachgebrauch Avalon) werden bei Stoffen wie Frottee oder Samt benötigt, damit die Schlingen oder der Flor nicht durch die Stickerei durchkommen. Dieses Vlies ist eine dünne Folie (oder dünnes Gewebe), die auf die Oberseite des zu bestickenden Stoffes aufgelegt wird und später ausgewaschen werden kann.

Selbstklebende Vliese werden gerne für Wirkware verwendet. Man spannt nur das Vlies in den Rahmen – die Klebefläche nach oben – entfernt das Schutzpapier und klebt den zu bestickenden Stoff auf. Bei dehnbaren Stoffen hat das den Vorteil, dass der Stoff sich nicht durch Einspannen verzieht. Nachteil hierbei ist, dass die Nadel immer wieder durch die Klebeschicht stechen muss und somit Verunreinigungen an der Nadel und in der Maschine verbleiben können – jedoch gibt es für diesen Zweck seit Kurzem sezielle „Anti-Glue-Nadeln“. Selbstklebende Vliese sind auch nicht unbedingt die günstigsten.

Es gibt dann noch die Variante, Sprühzeitkleber auf gewöhnlichem Ausreißvlies zu verwenden. Sprühzeitkleber sind Haftkleber, halten nicht gar so stark, wie das selbstklebende Vlies, aber ausreichend um Jersey auf dem Vlies zu halten. Hier ist darauf zu achten, dass man die Sprühkleber nicht in der Nähe der Maschine aufsprüht, da es sonst zu Verklebungen an der Maschine führen kann.

Nadeln

Auch die Nadeln sind beim Maschinensticken von Wichtigkeit.

Es gibt spezielle Sticknadeln für Maschinen (z.B. Embroidery-Nadeln, Metallic-Garn Nadeln, Anti-Glue Nadeln, Leder Nadeln etc.), aber auch die Universalnadeln haben sich bewährt.

Wichtig ist immer, dass die Nadeln rechtzeitig gewechselt werden, denn verschlissene oder eventuell minimal verbogene Nadeln haben einen beachtlichen Einfluss auf das Stickergebnis.

Garnstärke und Nadelstärke sollten immer zueinander passen! Dazu findest du bei den meisten Garnherstellern Vergleichstabellen.

Für feine Stickereien (feine, kleine Schriften beispielsweise) empfiehlt es sich, dünnere Nadeln – dann aber auch dünneres Stickgarn zu verwenden.

Stickgarn gibt es in verschiedenen Stärken, wobei die gebräuchlichste die Stärke 40 ist. Für diese Garnstärke sind auch die meisten Sticknadeln und Universalnadeln ausgelegt.
Um Leder zu besticken bedarf es besonderer Übung, da das Leder leicht perforiert wird und dann die ganze Stickerei ausbricht.

Nun hast du ein wenig über die Grundmaterialien erfahren – jetzt möchte ich noch auf das Einspannen des Stickguts kommen…und dann kannst du auch schon loslegen.

Einspannen

Das Einspannen gehört zum A und O beim Sticken, denn damit beeinflusst du die spätere Stickerei direkt. Du wirst häufig den Begriff „trommelfest“ in der Stickerei-Sprache hören – oder in Maschinenanleitungen lesen. Was damit gemeint ist, dürfte nicht schwer zu erraten sein – aber es ist nicht immer so einfach, dieses „trommelfest“ zu realisieren.

Unelastische Stoffe sind relativ problemlos einzuspannen. Du legst sie auf das Stickvlies und spannst beides zusammen in den Rahmen ein.

Anders ist es bei elastischen Stoffen. Die Maschen des Gewirkes sollten nicht gedehnt werden, aber der Stoff sollte dennoch glatt im Rahmen eingespannt sein. Hier arbeiten viele StickerInnen mit Klebevlies.

Frottee, Samt und Florstoffe werden nicht in den Rahmen eingespannt. Das hinterließe später unschöne Rahmenabdrücke, die man kaum noch aus dem Stoff herausbekommt. Diese Stoffe kann man auch mit Klebevlies/Sprühzeitkleber in den Stickrahmen bringen – oder du arbeitest mit Heftrahmen.

Bei manchen Maschinentypen sind Heftrahmen in den Stickdateien enthalten – oder aber du schaust bei den Stickdateienerstellern nach, dort werden immer wieder welche angeboten.

Grundlegend bei der ganzen Einspannerei ist, dass der Stoff sich während des Stickvorgangs nicht verziehen oder verschieben darf.

Manchmal ist es notwendig, dass du beispielsweise sehr feine, dünne Stoffe mit zwei oder sogar drei Lagen Vlies verstärkst, um ein sauberes Stickergebnis zu erhalten – das ist aber immer individuell abhängig. Solltest du hierzu spezielle Fragen haben, dann scheue dich nicht, sie in meiner Facebook-Gruppe Elfenidee – Embroidery and Upcycling zu stellen. Hier gibt es immer Spezialisten, die dir sicher gerne weiter helfen, oder aber schreibe mich direkt hier im Kontaktformular an und ich helfe dir gerne weiter.

Auch wenn die Maschinen vom Hersteller her auf eine bestimmte Oberfadenspannung eingestellt sind, kann es vorkommen, dass die Oberfadenspannung für das Sticken bestimmter Motive nachgestellt werden muss – hierbei gilt die Faustregel, dass auf der Rückseite der Stickerei etwa ein Drittel des Oberfadens auf der Rückseite sichtbar erscheinen sollte.

Das sind vorweg mal die wichtigsten Randbedingungen, die du für das Sticken mit der Maschine benötigst. Natürlich gibt es immer wieder mal Spezialfälle, wo noch andere Bedingungen zu beachten wären. Wenn du vor solch einem Problem stehen solltest, dann frage gerne nach.

Und jetzt – wünsche ich dir viel Freude beim Sticken mit deiner Maschine.

Herzlichst,

Beate von der Elfenidee